Der Odenwaldlimes
Mitten durch den Wald des Hinteren Odenwalds zog sich einmal die Grenze des Römischen Reichs. Sie bestand nur etwa sechzig Jahre, aber ihre Spuren sind bis heute zu finden: Fundamente von Wachtürmen, Kastellplätze und Wegstücke, die man am besten zu Fuß entdeckt.
Auf einen Blick
- Verlauf
- vom Main bei Obernburg oder Wörth nach Süden bis zum Neckar
- Zeit
- angelegt um 100 n. Chr., aufgegeben zwischen 159/161 und 165
- Aufbau
- Wachtürme, Postenweg, ab etwa 120 eine Palisade, kleine Kastelle
- Turmabstand
- im Schnitt rund 700 m
- Gut für
- Wanderungen, Geschichte im Gelände
Eine Grenze durch den Wald
Der Odenwaldlimes war ein früher Abschnitt der römischen Grenze in Obergermanien. Er begann am Main, entweder beim Kastell Obernburg oder beim Kastell Wörth, und führte von dort nach Süden über die Höhen des Odenwalds bis an den Neckar. Weiter südlich bildete der Fluss selbst die Grenze. Die Römer nutzten das Gelände geschickt und legten die Linie über die Höhenrücken, wo die Posten weit sehen konnten.
Nach der herkömmlichen Datierung, die auf Ausgrabungen am Kastell Hesselbach beruht, entstand die Linie um das Jahr 100. Anfangs standen dort hölzerne Wachtürme an einem Postenweg. Um 120 kam eine Palisade hinzu, später ersetzte man viele Holztürme durch Steintürme. Zwischen 159/161 und 165 wurde die Grenze aufgegeben und weiter nach Osten auf eine neue, schnurgerade Linie verlegt. Der Odenwaldlimes war damit nur ein paar Jahrzehnte in Betrieb.
Was man im Gelände sieht
Die Wachtürme standen im Durchschnitt etwa 700 Meter auseinander. Von vielen sind die Fundamente erhalten oder wieder aufgemauert, wie bei dem Turm auf dem Foto oben. Sie liegen meist im Wald, sind ausgeschildert und oft mit Tafeln versehen. Kleine Numeruskastelle reihten sich entlang der Linie, darunter Lützelbach, Hesselbach, Würzberg und Schloßau. Im südlichen Abschnitt gab es zusätzlich zwei größere Kohortenkastelle, Oberscheidental und Neckarburken.
Vom Kastell Schloßau bei Mudau sieht man im Gelände nichts mehr, es ist aber für die Forschung wichtig: Dort wurde erstmals das Dorf vor einem solchen Kastell großflächig ausgegraben. Beim Kohortenkastell Oberscheidental wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das Südtor wieder aufgebaut, und die Form der Anlage ist im Gelände noch zu erkennen.
Den Limes erwandern
Der Limes lässt sich gut auf Wanderwegen verfolgen, die den Türmen und Kastellplätzen folgen. Weil er über die Höhen läuft, sind die Wege meist eben und gut zu gehen. Eine Tagesetappe von 15 bis 20 Kilometern bringt Sie an mehreren Turmstellen vorbei. Planen Sie die Rückfahrt mit Bus oder zweitem Auto vorher, denn der Limes ist keine Rundtour.
Ein guter Einstieg ist der Raum zwischen Michelstadt, Vielbrunn und Hesselbach, im Süden die Gegend um Mudau. Im Eulbacher Park bei Michelstadt sind römische Fundstücke und Bauteile aufgestellt, die Graf Franz I. zu Erbach im frühen 19. Jahrhundert dorthin bringen ließ.
Weiter in der Gegend
Der Limes verbindet sich gut mit einem Besuch in Michelstadt und Erbach, wo im Schloss auch antike Stücke aus der Sammlung des Grafen zu sehen sind. Im Süden liegen der Katzenbuckel und die Eberstadter Tropfsteinhöhle nicht weit von der alten Grenzlinie. Allgemeine Tipps zur Planung längerer Wanderungen finden Sie im Ratgeber Ausflug in den Odenwald planen.
So kann der Tag aussehen
- VormittagStart bei Vielbrunn, Wanderung entlang der Turmstellen nach Süden
- MittagRast am Kastellplatz Hesselbach
- NachmittagRückfahrt nach Michelstadt, Besuch im Eulbacher Park