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Odenwald-Ausflug

Natur & Geologie

Das Felsenmeer bei Reichenbach

Lautertal-Reichenbach, Kreis Bergstraße · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Ein Strom aus grauen, rundgeschliffenen Blöcken, der sich über zwei Kilometer den Hang des Felsbergs hinunterzieht: Das Felsenmeer ist das bekannteste Naturziel im Vorderen Odenwald und für Familien fast ein Pflichtprogramm.

Graue, gerundete Felsblöcke des Felsenmeers zwischen Laubbäumen am Felsberg
Foto: Michael Linnenbach, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Auf einen Blick

Lage
Felsberg oberhalb von Lautertal-Reichenbach, Kreis Bergstraße
Ausdehnung
gut 2 km lang, bis zu 100 m breit, rund 200 Höhenmeter
Gestein
Quarzdiorit, von Steinmetzen „Felsberg-Granit“ genannt
Auszeichnung
Nationaler Geotop seit 2006
Gut für
Familien mit Kindern ab Grundschulalter, Geologie, Geschichte

Wie das Felsenmeer entstanden ist

Die Blöcke bestehen aus Quarzdiorit, genauer aus einem Hornblende-Biotit-Diorit. Dieses Tiefengestein ist vor mehr als 300 Millionen Jahren in der Erdkruste aus einer Schmelze erstarrt. Über sehr lange Zeit drang Wasser in die Klüfte des Gesteins ein und zersetzte es von den Rissen her. Übrig blieben harte, gerundete Kerne in einem Grus aus verwittertem Material. Geologen nennen diesen Vorgang Wollsackverwitterung, weil die Blöcke an gestopfte Säcke erinnern.

In den Kaltzeiten wurde das lockere Material zwischen den Blöcken ausgespült und hangabwärts verlagert. So kamen die Kerne frei und rutschten zu der Blockhalde zusammen, die man heute sieht. Das Felsenmeer liegt im Naturschutzgebiet „Felsberg bei Reichenbach“ und gehört zu den wichtigsten Geotopen im UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald.

Im Volksmund gibt es eine ältere Erklärung: Zwei Riesen, einer auf dem Felsberg und einer auf dem gegenüberliegenden Hohenstein, sollen sich gestritten und mit Felsen beworfen haben. Der Riese vom Felsberg verlor und liegt der Sage nach bis heute unter den Steinen.

Werkplätze der Römer

Was das Felsenmeer von anderen Blockhalden unterscheidet, sind die Spuren der Steinbearbeitung. Die Römer haben am Felsberg Säulen, Tröge und Platten aus dem Gestein geschlagen. Fast dreihundert unfertige oder beschädigte Werkstücke sind auf etwa 15 Werkplätze verteilt. Man erkennt Keiltaschen, also Reihen von Löchern, in die eiserne Keile getrieben wurden, und angefangene Sägeschnitte.

Das bekannteste Stück ist die Riesensäule. Sie ist 9,3 Meter lang, wiegt rund 27,5 Tonnen und ist fertig bearbeitet, wurde aber nie abtransportiert. Ein paar Schritte entfernt liegt der Altarstein, an dem man gut sieht, wie Platten abgespalten wurden. Beide sind ausgeschildert und auch für Kinder spannend, weil man sich die Arbeit der Steinmetze ohne Maschinen vorstellen kann.

Der Besuch

Am Fuß des Felsenmeers in Reichenbach liegen Parkplätze und das Felsenmeer-Informationszentrum, das 2007 eröffnet wurde. Die Ausstellung erklärt Erdgeschichte, römische Steinindustrie und die Sagen der Gegend. Von dort führen Wege seitlich neben dem Blockstrom bergauf. Wer möchte, klettert über die Blöcke selbst; das ist erlaubt, verlangt aber festes Schuhwerk und Vorsicht, denn die Steine sind nach Regen oder im Herbst mit nassem Laub sehr rutschig.

Den höchsten Punkt des Felsbergs auf 514 Metern markiert der Ohlyturm, ein 27 Meter hoher Aussichtsturm aus Granit. Den Rückweg nehmen viele über die Waldwege links oder rechts des Felsenmeers, so wird aus dem Besuch eine Runde von zwei bis drei Stunden. Mit kleinen Kindern reicht auch der untere Abschnitt bis zur Riesensäule.

Das Felsenmeer hat jedes Jahr weit über 100.000 Besucher, die meisten am Wochenende. An sonnigen Sonntagen im Frühjahr und Herbst sind die Parkplätze früh voll. Unter der Woche oder am frühen Vormittag ist es deutlich ruhiger. Bitte bleiben Sie in der Nähe der Wege: Naturschützer beklagen seit Jahren Trampelpfade und Müll im Schutzgebiet.

Was sich gut kombinieren lässt

Das Felsenmeer liegt im westlichen, kristallinen Teil des Odenwalds nahe der Bergstraße. Nur wenige Kilometer weiter südlich thront die Ruine der Burg Lindenfels über dem Weschnitztal. Wer lieber Kultur dazunimmt, fährt in die Ebene zum Kloster Lorsch. Einen Überblick über die Gesteine des Odenwalds und warum sie sich von West nach Ost so stark ändern, finden Sie auf der Startseite.

So kann der Tag aussehen

  1. VormittagAnkunft in Reichenbach, Informationszentrum, Aufstieg zur Riesensäule
  2. MittagWeiter bis zum Ohlyturm auf dem Felsberg, Rast mit Aussicht
  3. NachmittagRückweg über den Waldweg, danach Abstecher nach Lindenfels

Quellen und weiterführende Links

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