Burg Frankenstein über der Bergstraße
Keine Burg im Odenwald ist international so bekannt wie die Burg Frankenstein, und keine ist so von Legenden überwuchert. Was davon stimmt, ist schnell erzählt. Lohnend ist der Ausflug trotzdem, schon wegen der Aussicht über die Rheinebene.
Auf einen Blick
- Lage
- auf einem 370 m hohen Ausläufer des Langenbergs, Gemarkung Nieder-Beerbach (Mühltal)
- Erste Erwähnung
- 1252, erbaut vermutlich um 1240
- Besonderheit
- nördlichste Burg in der Reihe der Bergstraßen-Burgen
- Hinweis
- Burgrestaurant seit Oktober 2023 geschlossen
- Gut für
- Aussicht, kurze Wanderung, Burggeschichte
Die Burg und ihre Herren
Die Burg Frankenstein steht südöstlich von Darmstadt-Eberstadt auf einem Bergsporn, rund 225 Meter über der alten Bergstraße. Sie ist die nördlichste einer ganzen Kette von Burgen und Ruinen am Westrand des Odenwalds, die auf die Rheinebene hinunterschauen. Urkundlich taucht sie 1252 zum ersten Mal auf, und schon damals war sie offenbar bewohnt. Die meisten Historiker gehen von einer Bauzeit um 1240 aus.
Nach der Burg nannte sich das Geschlecht der Herren von Frankenstein, das über mehrere Dörfer in der Umgebung herrschte. Im späten 13. Jahrhundert wurden sie Burgmannen der Grafen von Katzenelnbogen. Belagert wurde die Burg nach allem, was man weiß, nie. Später wurde die Kernburg um eine Vorburg mit eigener Mauer erweitert und Anfang des 16. Jahrhunderts noch einmal umgebaut. Heute ist ein Teil der Anlage restauriert, anderes ist Ruine.
Shelley, Dippel und andere Geschichten
Der Name hat die Burg berühmt gemacht. Immer wieder heißt es, Mary Shelley habe sie für ihren Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ als Vorbild genommen. Belegt ist das nicht. Im Roman kommt gar keine Burg vor, und Victor Frankenstein stammt aus Genf. Möglich ist, dass Shelley den Namen auf ihrer Reise durch das Rheintal aufgeschnappt hat. Mehr lässt sich nicht sagen.
Ähnlich steht es mit Johann Konrad Dippel, einem Theologen, Arzt und Alchemisten, der 1673 auf der Burg geboren wurde. Die örtliche Überlieferung macht ihn zum Vorbild für den Romanhelden, der in seinem Labor Leichen belebt. Diese Deutung wurde aber erst spät, vor allem durch ein Buch von 1999, verbreitet. Für eine Verbindung zu Shelley gibt es keine Quellen. Wer die Geschichten als das nimmt, was sie sind, hat trotzdem seinen Spaß daran.
Dazu kommt der Magnetberg in der Nähe, auf dem magnetische Steine liegen. Der Sage nach hat ihn ein Hexenfest so aufgeladen. Die Erklärung liefert eher die Geologie, aber als Ziel für einen kleinen Abstecher taugt der Berg allemal.
Halloween und die Zeit danach
Von 1977 bis 2023 fand auf der Burg im Herbst eines der größten Halloween-Feste in Deutschland statt. Gegründet hatten es amerikanische Soldaten, die damals in Darmstadt stationiert waren. Auch das Restaurant mit Aussichtsterrasse, das 1970 eröffnet wurde, ist seit Oktober 2023 geschlossen. Prüfen Sie vor dem Besuch, was auf der Burg gerade geöffnet ist und welche Veranstaltungen stattfinden.
Hinauf zur Burg
Mit dem Auto gelangen Sie über eine schmale Straße bis kurz unter die Burg. Schöner ist der Weg zu Fuß, zum Beispiel von Eberstadt oder Nieder-Beerbach aus durch den Wald. Oben belohnt der Blick über die Rheinebene bis zu den Höhen jenseits des Rheins. Radsportler kennen die Strecke von Eberstadt hinauf als Zeitfahrstrecke mit gut 200 Höhenmetern.
Die Burg lässt sich gut mit der nur wenige Kilometer entfernten Grube Messel verbinden. Wer eine zweite Burg sehen möchte, fährt über die Bergstraße nach Süden zur Burg Lindenfels. Alle Ziele nach Rubriken sortiert finden Sie in der Übersicht der Ausflugsziele.
So kann der Tag aussehen
- VormittagAufstieg von Eberstadt durch den Wald, Burghof und Aussicht
- MittagPicknick oder Einkehr unten in Eberstadt
- NachmittagWeiter zur Grube Messel, Aussichtsplattform am Grubenrand