Die Einhardsbasilika in Steinbach
Am Rand von Michelstadt steht eine unscheinbare Kirche, die älter ist als fast alles andere im Odenwald. Einhard, Berater Karls des Großen, ließ sie in den 820er Jahren bauen. Große Teile der Mauern stammen noch aus dieser Zeit.
Auf einen Blick
- Lage
- Ortsteil Steinbach, Stadt Michelstadt
- Erbaut
- um 824 begonnen, 827 fertiggestellt
- Bauherr
- Einhard, Berater Karls des Großen und Ludwigs des Frommen
- Erhalten
- karolingisches Mauerwerk im Mittelschiff, nördlicher Nebenchor, Krypta
- Besuch
- Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, gegen Eintritt
Einhard und die Mark Michelstadt
Einhard ist vor allem als Biograf Karls des Großen bekannt. Er diente dem Kaiser viele Jahre in verschiedenen Ämtern. 815 schenkte ihm Karls Sohn Ludwig der Fromme zum Dank die Mark Michelstadt. Einhard ersetzte die vorhandene Holzkirche in Michelstadt durch eine kleine Steinkirche und ließ dann wenig außerhalb des Orts eine größere Basilika errichten. Sie sollte ihm und seiner Frau Imma als Grablege dienen und Pilger anziehen.
Um 824 begann der Bau, 827 war die Kirche fertig. Sie wurde als dreischiffige Basilika angelegt, mit einem Hauptchor im Osten und zwei Nebenchören. Davor lag ein Vorhof. Gebaut wurde nach römischem Vorbild: Die Außenseiten bestehen aus kleinen Quadern aus buntem Sandstein, die Pfeiler im Mittelschiff aus Backstein, die Bögen aus Tuffstein.
Die Reliquien, die nicht bleiben wollten
Für die Weihe brauchte die Kirche Reliquien. Einhard ließ über einen Römer namens Deusdona die Gebeine der Heiligen Marcellinus und Petrus aus Rom beschaffen. Lange blieben sie nicht. Nach den Berichten hatten Einhards Diener Träume, und die Gebeine sollen Blut geschwitzt haben. Einhard schloss daraus, dass die Heiligen sich in Steinbach nicht wohlfühlten, und brachte sie nach Seligenstadt am Main. Dort gründete er ein Kloster, und dort wurde er später auch begraben.
Damit verlor die Basilika ihre ursprüngliche Aufgabe. Später gehörte sie zu einem Frauenkloster, 1182 ersetzte man den Vorhof durch zwei Türme. Nach der Reformation wurde das Kloster 1535 aufgehoben und zum Spital umgewandelt, Ende des 16. Jahrhunderts riss man die Westfassade ab. Dass trotzdem so viel karolingische Substanz erhalten ist, ist ein Glücksfall.
Was Sie heute sehen
Die Kirche wirkt von außen schlicht. Interessant wird es im Inneren und vor allem unten in der Krypta. Sie ist kreuzförmig angelegt, im Mittelgang liegen zwei überwölbte Nischen, die an Grabstellen in römischen Katakomben erinnern. Das Mauerwerk mischt Sandstein, Backstein und Bruchstücke von Dachziegeln. Man sieht hier sehr direkt, wie im frühen Mittelalter gebaut wurde, ohne dass spätere Ausstattung den Blick verstellt.
Die Basilika wird von den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen betreut und kann gegen Eintritt besichtigt werden. Die Öffnungszeiten wechseln je nach Saison, bitte prüfen Sie sie vor dem Besuch.
Mit Michelstadt verbinden
Von Steinbach ist es nur ein kurzer Weg in die Altstadt von Michelstadt mit ihrem berühmten Rathaus und weiter nach Erbach zum Schloss. Wer sich für die Karolingerzeit interessiert, sollte auch das Kloster Lorsch besuchen, wo die Königshalle aus derselben Epoche stammt. Ganz in der Nähe von Michelstadt verlief einst die römische Grenze, der Odenwaldlimes.
So kann der Tag aussehen
- VormittagEinhardsbasilika mit Krypta
- MittagAltstadt Michelstadt, Marktplatz und Rathaus
- NachmittagSchloss Erbach mit den gräflichen Sammlungen