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Galgen

Ort:64743 Beerfelden
Die zahlreichen Besucher des staatlich anerkannten Erholungsortes (330 - 540 m ü. NN) werden besonders deutlich auf den nahe gelegenen Aussichtspunkt auf dem Galgenberg aufmerksam gemacht, von wo aus sich dem Wanderer und Naturfreund eines der schönsten Rundpanoramen der ganzen Gegend bietet. Ein kurzer Aufenthalt an dieser denkwürdigen Stelle mit großer historischer Vergangenheit und dem zeitlich ins finstere Mittelalter hineinragenden Galgen wird jung und alt unvergesslich bleiben. Der angrenzende Parkplatz wird von Autofahrern oft und gerne als Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen benutzt. Der Spaziergänger braucht nur wenige Minuten, um von der Stadt auf sanft ansteigender Landstraße in westlicher Richtung das Ziel zu erreichen.   Der Galgen von Beerfelden ist der größte und best erhaltene im Bundesgebiet. Drei schlanke Rotsandsteinsäulen von ungefähr 6 m Höhe, in einem Dreieck aufgestellt, bildeten das Hochgericht der Oberzent unter der Herrschaft der Grafen von E r b a c h. Diesen wurde 1806 durch die Mediatisierung seitens Napoleons I. die Gewalt über Leben und Tod ihrer "Untertanen" entzogen.   Der Galgen wurde 1597, also vor dem 30-jährigen Krieg, anstelle eines Holzgalgens errichtet, die letzte Hinrichtung fand 1804 statt. Der Delinquent soll eine Zigeunerin gewesen sein, die für ihr krankes Kind ein Huhn und zwei Laib Brot gestohlen hatte. Dass sie nach damaligem Recht in flagranti ertappt wurde, diesmal vielleicht wegen einer Bagatelle, dann aber für alle Indizien büßen sollte, ist in manchen Ländern bis heute noch nicht ungewöhnlich.   Der gut ausgesuchte Platz des Galgens mit der grandiosen Umgebung war eine Verschärfung der Strafe. Der Missetäter sollte noch einmal die Schönheit der Welt erblicken, die er nun seiner Freveltaten halber verlassen sollte. Auch war die Massenhinrichtung ein Abschreckungsmittel für die Vorüberziehenden mit düsteren Plänen im Kopf.   Das vor dem Hochgericht liegende, flach in die Erde gesenkte rote Sandsteinkreuz soll die Stätte der Absolution gewesen sein, wo der Delinquent seine letzte Beichte ablegen und den Trost der Geistlichen empfangen sollte. Dann wurde er ergriffen, ihm wurde der Strick um den Hals gelegt, er bestieg einen erhöhten Tritt, von dem er durch Henkershand herunter gestoßen und ins Jenseits befördert wurde.   Der Brand von 1810, der alle Häuser bis auf 26 zerstörte und die gewaltige Kirche nahezu restlos ausbrannte, vernichtete die örtliche Chronik zum allergrößten Teil, so dass man derzeit auf kümmerliche Archive im Erbacher Schloss des Grafen und im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt angewiesen ist, wenn man Näheres über Beerfelden wissen will.   Die Eisenbänder, die die Steine der Säulen zusammenhalten, wurden vor Menschengedenken erneuert, sonst wäre der mittelalterliche Zeuge wohl längst nicht mehr. Es wird berichtet, die Kosaken hätten 1814 - nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf der Verfolgung Napoleons nach Paris - hier gelagert, die Bandeisen herausgerissen und ihren Russenpferdchen Hufeisen daraus geschmiedet.    Um den Galgen herum standen, wie um jedes Hochgericht des Mittelalters, sieben Linden, wohl aus Anklang an germanische Thing-Gerichtsbarkeit. Die eigentliche Zentlinde müßte man allerdings am westlichen Ausgang der Stadt suchen (wir kommen daran vorbei, linker Hand). Von ihr sind jedoch die Spuren verweht. Hier wurde das Urteil gefällt und verkündet, und von hier aus setzte sich der Zug mit dem Sünder auf dem Schinderkarren Richtung Galgen in Bewegung. Die genannte Zigeunerin soll auf diesem Weg furchtbar geschrieen und geflucht haben, weil das Volk am heißesten Sommertage stürmisch bergauf drängte und es ihr gar nicht pressierte .... Sie sei ja die Hauptperson bei dem Spektakel, der Henker solle ja nur ruhig warten, bis er blau würde, er bekäme es ja bezahlt, und das Volk würde noch genug sehen für sein Geld ... "Bevor ich nicht oben bin, geht's noch nicht los!"   Wir wenden den Blick nach Osten und sehen den bekannten "Krähberg", durch den der 3100 m lange Tunnel führt (Bundesbahnstrecke Darmstadt - Eberbach). Er ist der längste eingleisige Tunnel der Bundesrepublik. Kurz davor erstreckt sich das 1881 erbaute  Viadukt, von dessen schwindelnder Höhe man in das liebliche Mümlingtal schauen kann, bevor man die Station Hetzbach erreicht.   Auf dem Krähberg steht das bekannte Gasthaus "Zum Reußenkreuz", ein ganz ungewöhnlicher Name in hiesiger Gegend. Erklärt wird er geschichtlich wie folgt: Die Herrscher aller Reussen, die Zaren Russlands waren bekanntlich mit der Familie der Großherzöge in Hessen sehr nahe verwandt - die letzte Zarin war die Schwester von Großherzog Ernst Ludwig, deren Schwester Elisabeth die Gattin des ebenfalls ermordeten Sergius -, die hessischen Fürsten standen in familiären Beziehungen zu den Grafen zu Erbach und waren mit dem letzten Zaren des öfteren als Jagdgäste auf dem Krähberg. Nach russischer Sitte ließen sie dort ein riesiges Andreaskreuz errichten, daher der Name im Dialekt "Reissenkreuz". Von hier aus hat man  wundervolle Fernsicht in die Täler jenseits der Berge in www.mdas.co.uk Richtung Schöllenbach, Kailbach usw.   Im Westen des Galgens ist ein herrlicher Spaziergang durch den Wald nach der Liederbachquelle besonders zu empfehlen, ein gepflegter einsamer Ruheplatz mit Grillhütte. Die Landstraße führt nach Airlenbach mit seiner "Eiche", dem dicksten, nett umfriedeten Baum des ganzen Gaues. Dieser Beerfelder Stadtteil ist berühmt durch seine erfolgreiche Fleck- und Rotviehzucht, worin die Landwirte wetteifern, um sowohl auf dem hiesigen "Pferdemarkt" als auch auf gleichen Veranstaltungen in Südhes­sen die meisten Ehrenpreise einzuheimsen.   Beerfelden wurde erstmalig bereits Anno 1032 als im Besitze des bis zum Niederrhein mächtigen Klosters Lorsch erwähnt. Die eine halbe Wegstunde entfernte Leonhardskapelle mit der wunderwirkenden Quelle wurde damals diesem Kloster geschenkt, auch soll ein www.cvdt.org unterirdischer Gang von dem heutigen Leonhardshof nach der Burgruine Freienstein im benachbarten Gammelsbach bestanden haben.   1328 erhielt Beerfelden Stadtrechte, und zwar in Tivoli bei Rom. Dort brach auf dem Heereszug des Kaisers Ludwig dem Bayer eine Soldatenrebellion aus, die mit Hilfe des Grafen Konrad IV. von Erbach ohne Blutvergießen geschlichtet wurde. Daraufhin ging dessen Wunsch betreffs der Oberzent und deren Mittelpunkt, dem heutigen Beerfelden, in Erfüllung. Natürlich war dies auch eine lukrative Transaktion, denn so wurde der ganze Handel und Viehkauf innerhalb der www.npvi.org Herrschaft zentralisiert und die Büttel konnten bequemer alles übersehen und den "Zehnten" prompt eintreiben.  Am historischen Beerfelder Galgen soll Heinz Hans Ewers seinerzeit auf die Idee zu seinem bekannten, viel besprochenen und mehrmals verfilmten Buch "Alraune" gekommen sein.  Neben der Mümlingquelle (Zwölf-Röhrenbrunnen) ist der Galgen eines der Wahrzeichen von Beerfelden, ein etwas schauriges Relikt aus längst vergangenen Zeiten, aber doch hochinteressant als ein sichtbares Symbol der mittelalterlichen Rechtspflege.