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Wallfahrtskirche Dieburg

Ort:64807 Dieburg
Seit dem Mittelalter ist Dieburg Wallfahrtsort. Die katholische Kirche mit ihrem Gnadenbild der Pietá ist nicht nur ein zentraler Ort der Marienverehrung, sondern repräsentiert auch die Religiosität, die für die Geschichte der Stadt Dieburg von großer Bedeutung war und ist. Die Vorgängerkirche war den Aposteln Petrus und Paulus geweiht worden und war als Mainzer Sprengel die Mutterpfarrei für die ganze Umgebung. Sie stammte aus dem achten Jahrhundert und lag außerhalb der Stadtmauer in dem unbefestigten Vorort Altenstadt. Nach einem Brand im Jahre 1216 wurde sie mit einem neuen Westturm wiederhergestellt; an Stelle des alten Turmes im Süden, in etwa zehn Meter Entfernung zur Pfarrkirche, entstand 1232 eine kleine Marienkapelle. Hier war der erste Standort der Pietá, und spätestens mit ihrer Aufstellung um 1420 begann die Wallfahrt. Einige Jahrzehnte vorher schon, gegen Ende des 14. Jahrhunderts, war die Kirche baulich verändert und erneuert worden. Ein hoher Chor mit Sakristei, die Erhöhung des Westturms und das Abreißen der niedrigen Seitenschiffe spiegelten den religiösen Aufschwung im Zeitalter der Gotik wider. Bedingt durch die Reformation war es zwischenzeitlich zu einem Rückgang der Marienverehrung und der Wallfahrten gekommen. Erst nachdem die Minoriten das Kloster, das sie innerhalb der Stadtmauern Dieburgs seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bewohnten, auflösten, gelangte die Marienkirche zu ihrer heutigen Bestimmung. Die Klosterkirche der Minoriten erhielt die Weihe als neue Pfarrkirche St. Peter und Paul, und die Kirche im Vorort Altenstadt wurde 1569 zur Wallfahrtskirche. In einer von Krieg, Hunger, Pest, aber auch von Hexenprozessen gekennzeichneten Zeit lebte die Wallfahrt weiter. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Kirche in schlechtem baulichen Zustand, die Vorstadt Altenstadt lag in Trümmern. Berichte von Lichtererscheinungen und Wunderheilungen und die Verleihung eines vollkommenen Ablasses durch Papst Clemens X. zogen jedoch viele Gläubige an und ließen die Wallfahrt wieder aufblähen. Dieburg entwickelte sich zum religiösen Zentrum im Mainzer Oberstift. Die Kirche war zu klein geworden. Deshalb war die alte Marienkapelle niedergelegt und 1697 der südliche Querhausarm gebaut worden, der den Innenraum der ehemaligen Kapelle zum Teil in seiner Rotunde aufnahm. 1712-17 wurde das Querhaus durch den nördlichen Arm vervollständigt. Die Kirche bekam eine neue Ausstattung, das Gnadenbild fand seinen Platz im Hochaltar, dem jetzigen Josef-Altar. 1749 stiftete der Mainzer Erzbischof und Kurfürst F.K. von Ostein aufgrund eines Gelübdes einen neuen Hochaltar, in dem die Pietá ihren endgültigen Standort fand. Nachdem im 19. Jahrhundert lediglich der Turm in seinem Obergeschoß erneuert worden war, kam es 1921-29 zu einer grundlegenden Veränderung der Außenanlagen. Die Außengottesdienste, bis dahin unter dem gotischen Kruzifix neben dem Eingang abgehalten, konnten auf die Nordseite des Chores mit einem neuen Außenaltar verlegt werden. 1948 wurde das ehemalige Friedhofsgelände schließlich umgestaltet, und die Stationskapellen der Sieben Schmerzen Mariä fanden dort ihren Platz. In der Außenanlage, aber auch im Innern der Wallfahrtskirche, finden sich Schöpfungen großer Frömmigkeit vom Mittelalter bis heute: Wandmalereien, Skulpturen, Altäre, Epitaphien, Votivtafeln- und Bilder von zum Teil herausragender Qualität reihen sich um das Gnadenbild. Ein unbekannter Dieburger Meister hat es um 1420 gearbeitet. Die innen hohle Skulptur der Pietá ist aus gegerbtem Leder mit Mörtelauftrag, der von Leinwandschichten gehalten wird; Arme und Beine der Christusfigur sind aus Holz. In der Pfarrkirche St. Peter und Paul befindet sich eine um ungefähr 20 Jahre früher entstandene Pietá in gleicher Machart, vermutlich vom selben Meister. Die Pietá der Wallfahrtskirche ist nicht, wie viele andere Gnadenbilder, eher der Volkskunst verbunden, sondern ein Meisterwerk des weichen Stils der Gotik.